Grenzgängerei am Europäischen Nationalparktag
Tour mit Gudrun und Kerstin, T2, 17,11 km, 544 m Aufstieg, 1016 m Abstieg, 9 1/4 h, Ausgangspunkt Spindlerpass (TU)
Pfingstsonntag war in diesem Jahr Europäischer Nationalparktag. Das hatte den angenehmen Nebeneffekt, dass wir ganz legal gratis den polnischen Nationalpark betreten durften. Da wir davon ausgingen, dass die Schneekoppe überfüllt sein würde, fuhren wir zwar zum Spindlerpass hoch, starteten aber von dort aus Richtung Westen, wo ich mit Rübezahls Kanzel einen Aussichtsfelsen neben einer Wetterstation identifiziert hatte. Um keinen Zeitdruck in Sachen letzter Bus ins Tal zu bekommen, ging der Rückweg direkt hinunter nach Spindlermühle.
Der Weg zur Kanzel führt größtenteils direkt auf der Grenze, ist also ein Teil des von mir so heißgeliebten Grenzsteigs. Stellenweise ist ein Eck in Tschechien, dann ein Bogen in Polen. Also auch so wie bei uns. Halt Polen statt Bayern. Aber das ist nur ein unwichtiges Detail. Der Hauptunterschied ist, dass wesentlich mehr Betrieb ist, was vor allem daran liegt, dass der Grenzsteig hier ein offizieller Wanderweg ist. Interessant ist dabei die Beschilderung. Die tschechischen Schilder sind wie im ganzen Land mit Entfernungsangaben in Kilometern versehen, also immer objektiv. Die polnischen nennen hingegen so wie in den Alpen eine genormte Zeit, also total subjektiv und fotounfreundlich. Wir haben immer 30 Prozent länger gebraucht. Überhaupt ist das Riesengebirge in vielerlei Hinsicht recht alpin, vor allem oberhalb von 1200 Metern. Latschen wechseln sich mit Mooren und Farnen ab oder vermischen sich gleich mit ihnen, dazu übelster Schutt an allen baumfreien Hängen. Steil sind die auch, wobei wir zum Glück heute keinen davon erklimmen mussten. Da alles Nationalpark ist, sind die Wege durchgehend befestigt, was aber mit guten Schuhen für die Füße und Knie erträglich war. Nur der letzte Abschnitt ab der Martinova bouda war erst befahrbarer Schotter, ab der Medvědí bouda sogar Asphalt. Nervig, aber verkraftbar. Apropos Martinovka: Wir kamen zwei Minuten nach 16 Uhr an und bekamen nichts mehr zu Essen, weil die Küche um 16 Uhr zusperrt. Dazu hatte der Wirt angeblich kein Dunkles. Hätten wir gewusst, dass die Medvědí eine Stunde länger offen hat, wären wir die 20 Minuten weitergegangen. Aber auch so sind wir nicht verhungert, es gab halt ein feines Abendessen in einer Pizzeria in Spindlermühle ohne Fotos von unseren Speisen.
Was man anhand der vielen Fotos gar nicht merkt, ist mein kleines Problem: Kurz vor dem Abzweig am großen Elbfall musste ich den Kameraakku wechseln. Blöd war nur, dass ich wohl vergessen hatte, den leeren beim letzten Mal ins Ladegerät und den vollen in den Rucksack zu stecken. So blieben mir für den erst der Tour gerade noch 20 Fotos, mit denen bei der Medvědi endgültig Schluss war. Sonst hätte ich meinen bisherigen Rekord bereits bei dieser Tour pulverisiert. War aber auch so verkraftbar und ist eine ausnahmsweise logische Überleitung zur Galerie.
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