Bergpoesie einer Bergpoetin

Oder ist Waldpoesie einer Waldpoetin zutreffender?

Von Weihnachten in die Hölle

Tour solo, T3, 11,66 km, 376 hm, 5 1/2 h, Ausgangspunkt Brennberg (R)

Nein, nicht so wie ihr es meint. Überhaupt nicht. Es sei denn, ihr kennt euch im Vorwald aus und wisst, dass es dort ein Naturschutzgebiet namens Hölle gibt. Denn genau dort war ich. Aber natürlich nicht auf dem mehrfach veröffentlichten offiziellen Rundweg, sondern mit ein bisserl Zugabe ab Brennberg. Denn sonst hätte ich zwei Spaziergänge in Folge hier veröffentlichen müssen. Außerdem lohnt es sich nicht, für fünf Kilometer nach Postfelden zu fahren. Nicht einmal von Regenstauf aus. Da ist es viel besser, für elfeinhalb Kilometer nach Brennberg zu fahren. Nicht nur, weil es sechs Kilometer weniger sind. Aber genug geblödelt. Die Zugabe war nämlich mehr als lohnend, immerhin entstand mehr als die Hälfte der 270 Fotos dort. Und was macht Weihnachten in der Überschrift? Schaut aufs Tourdatum!

Ein (großer) Teil des Lohnendseins machte natürlich die Burgruine Brennberg aus. Der Aussichtsturm verschandelt zwar das gesamte Ensemble, bietet aber dafür extrem schöne Ausblicke in alle Richtungen. Und das war heute sehr wichtig, denn diese Sichtverhältnisse gibt es nur alle unheiligen Zeiten. Ich könnte auch heilige Zeiten schreiben, aber ich war ja in der Hölle. Jedenfalls waren vor Allem Richtung Bayerwald keinerlei Schlieren in der Luft zu sehen. Entsprechend perfekt sind die Zooms zum Arber, Hohen Bogen und auch Čerchov geworden. Zu ein paar anderen Gipfeln auch, aber dann würde die Aufzählung zu lang. Aber das wurde nicht einmal das Hauptthema der heutigen Fotogalerie. Zu dem komme ich nach einem kleinen Zwischensatz. Denn als ich oben war, hörte ich immer wieder kleine volkstümliche Musikeinlagen aus dem Dorf. Die Auflösung gab es, als ich die Burg verlassen wollte. Da kam nämlich eine kleine Truppe in den Burghof und beantwortete meine Frage, was das bedeuten würde, mit einer Erklärung und einem kleinen Stück. Es ist ein sehr alter Brennberger Brauch, dass zwischen Weihnachten und Neujahr an jeder Hautür ein kleines Stück gespielt und damit das kommende Jahr begrüßt wird. Die vier Musikanten haben zwar etwas von einer kleinen Spende gesagt, aber dann nicht mehr drauf bestanden und mir auch nicht mitgeteilt, für wen. Für heimische Vereine hätte ich gerne gespendet, für die Kirche eher nicht. Aber das ist nicht das Thema des Tages. Auch sind aus einem Zwischensatz jetzt deren sieben geworden. Egal.

Zum Hauptthema: Die Hölle ist ein kleines Blockmeer im Höllbach. Darin wimmelt es von kleinen Wasserfällen, Pfützen und bei entsprechenden Temperaturen auch Eisformationen. Und da es über Weihnachten durchgehend Minusgrade hatte, waren diese nicht nur vorhanden, sondern richtig schön und ausgeprägt. Da die Minusgrade aber nicht extrem waren, war nicht die ganze Bachoberfläche zugefroren, sondern jede Menge Plätscherspiel zwischen den Blöcken und Formationen. Während der Runde hatte es wohl zumindest in der Sonne leichte Plusgrade, was am Rauhreif an den Schattenkanten erkennbar war. Natürlich war ich bei diesem Wetter nicht alleine in der Hölle, es waren doch einige kleine Gruppen, viele davon mit Kindern, unterwegs. Hat aber nicht gestört. Ich kann ja auch mal ein paar Sekunden für ein Foto warten.

Beinahe wäre der Titel dieses Artikels ein anderer geworden. Doch die Schlusseinkehr in der Holzofenstube hat die Qualifikationsnormen für die Bezeichnung Himmel nicht ganz erreicht. Versteht mich nicht falsch, das Essen war durchaus empfehlenswert und das Ambiente ist wirklich himmlisch. Aber für eine Bestnote waren die Portionen etwas zu klein und hätten auch etwas würziger sein können. Und Naabecker ist halt nicht das ideale Dunkle für den Vorwald. Jetzt habe ich aber genug (für mein SEO-Tool sogar schon wieder viel zu viel) geschrieben und leite wortlos zur Fotogalerie über.